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Pitstop 007 - Seit Mikaela Shiffrin nichts mehr gewinnen muss, gewinnt sie wieder

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Jeremy Denda
October 26, 2026
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„Ich glaube nicht, dass es mir etwas ausmacht, wenn ich kein Rennen mehr gewinne.“

Das sind die Worte von Mikaela Shiffrin. Nicht gerade das, was man von einer dreifachen Olympiasiegerin mit sechs Gesamtweltcupsiegen und einer der erfolgreichsten Karrieren im alpinen Skisport erwarten würde.

Genau deshalb schauen wir uns diese Woche im Pitstop das Mindset an, das sie an die Spitze gebracht hat und das sie Jahr für Jahr dort hält.

Klischee, aber wahr. Der Weg ist das Ziel.

Die bittere Wahrheit hinter jedem Erfolg ist, dass du monatelang, manchmal jahrelang auf ein bestimmtes Ziel hinarbeitest. Und noch bevor du richtig durchatmen und deinen Erfolg feiern konntest, ist es schon wieder vorbei.

Du holst dir die Medaille, stemmst den Pokal in die Luft, feierst einen kurzen Augenblick und schon geht es wieder zurück an die Arbeit.

Dabei versteckt sich der Triumph, dem wir eigentlich nachjagen, meistens direkt vor unserer Nase. Es sind eben die kleinen Dinge wie beispielsweise:

Dem Wecker den Mittelfinger zeigen und dich ins Gym schleppen, obwohl du eigentlich nur zurück ins Bett willst.
Die Diät eine Woche länger durchziehen als ursprünglich geplant.
Noch eine Wiederholung dranhängen, obwohl es schon der letzte Satz ist.
An jedem kleinen Detail feilen, auch wenn es unnötig wirken mag.

Genau das ist dein eigentlicher Job als Profisportler. Und wenn dir dieser Teil nicht gefällt, solltest du dir laut Mikaela wahrscheinlich etwas anderes suchen.

Eine Frage, die sich jeder stellen sollte. Würde ich trotzdem weitermachen, wenn niemand je wüsste, dass es mich gibt?

Wenn die Antwort ja lautet, bist du auf dem richtigen Weg.

Je schneller du wieder aufstehst, desto schneller bist du an der Spitze

Vor den Olympischen Spielen 2022 in Peking war Mikaela die klare Favoritin auf Gold im Riesenslalom. In den Tagen davor hatte sie einige der besten Trainings ihres Lebens, fühlte sich gut und alles sprach dafür, dass sie gewinnen würde.

Doch am Ende reichte es nicht. Sie riskierte einen Tick zu viel, schied aus und von einem Moment auf den anderen löste sich der Traum von Gold in Luft auf.

Sie hätte jedes Recht gehabt, auf ihr Zimmer zu gehen und sich Vorwürfe zu machen. Stattdessen nahm sie die Gondel runter ins Dorf, zog ihre Slalomausrüstung an, fuhr direkt wieder hoch und bereitete sich auf das nächste Rennen vor.

Am Ergebnis änderte das nichts. Aber sich auf das zu konzentrieren, was sie tatsächlich kontrollieren konnte, war genau das, was sie wieder auf Kurs brachte.

Sich von einem Rückschlag nicht den Schwung nehmen zu lassen, ist ein Muster, das man bei „Winner“ Typen immer wieder sieht.

Bei einem privaten Abendessen wurde Elon Musk einmal gefragt, was er tun würde, wenn SpaceX und Tesla beide scheitern würden und er jeden Dollar verlieren würde. Seine Antwort war, in die günstigste Wohnung zu ziehen, die er finden kann, sich einen Computer zu kaufen und innerhalb von 24 Stunden wieder etwas Neues aufzubauen.

Nicht erst nach einer Woche. Nicht nach langem Schmollen. Sofort.

Er sagte, der Verlust des Geldes würde ihn nicht stören, der Verlust der Firmen würde ihn aber am Boden zerstören. Trotzdem würde ihn das nicht davon abhalten, wieder aufzustehen und von vorn zu starten.

Niemand hat alles im Griff

Ich respektiere Mikaela vor allem dafür, dass sie nie so tut, als hätte sie alles im Griff.

Tatsächlich spricht sie offen über ihre Zweifel und Ängste. Nach ihrem ersten Olympiasieg machte sie sich so grossen Druck, dass sie sich am Start übergeben musste. Sie gibt zu, dass ihr Leben von aussen vielleicht wie ein Märchen aussieht, sie hinter den Kulissen aber mit Zweifeln und schweren Tagen kämpft wie alle anderen auch.

Ehrlichkeit zahlt sich einfach immer aus. Wenn du bei den schwierigen Dingen ehrlich bist, gibst du auch anderen die Erlaubnis, ehrlich zu sein. Die Leute stehen hinter dir und sehen, wer du wirklich bist. Genau danach sehnt sich jeder in einer Welt voller polierter Inhalte und Scheinwelten.

Okay, das war's für heute. Bis nächste Woche,
Jeremy